David Murray und der “Blues” der Karibik
26. Mai 2010 | von admin | Kategorie: Künstler, Top-Artikel
David Murray & The Gwo Ka Masters am Freitag, den 30. Juli 2010 beim palatia jazz Festival vor der Villa Ludwigshöhe, Edenkoben.
EDENKOBEN (SYM) – Als wahrer Kosmopolit ist der 54-jährige David Murray für viele schon jetzt eine Legende: Kein Wunder, dass die Liste von David Murrays Auftritten und Veröffentlichungen endlos scheint, denn schon mit 8 Jahren begann dieser, 1989 mit einem Grammy ausgezeichnete Ausnahmemusiker, seine Karriere. Aktuell erschafft er mit seinen Gwo Ka Masters einen euphorisierenden, unabhängigen Sound, dessen musikalische Wurzeln in der Verbindung westafrikanischer Rhythmen und kreolischer Tradition liegen: Eine empathische Feier der stolzen Vergangenheit der kleinen Antillen innerhalb der Inseln über dem Wind der Karibik und ihrer fesselnden Gegenwart – in Erinnerung an Sklaverei, Unterdrückung und dem Streben nach – auch kultureller – Freiheit und einer eigenständigen Identität. Gepaart mit Funkvibes und Soulgrooves entsteht eine natürliche, organische Symbiose, die energiegeladen und so typisch für Murrays vielfältigen kulturellen Background ist und die den markanten Ton des Saxophonisten in ungewohnte, eigenwillig treibende Rhythmen einbettet. Folgerichtig beschreibt David Murray sein aktuelles Projekt selbst als die Erforschung der Quintessenz seiner eigenen musikalischen Wurzeln: “I wanted to reach out to mother africa!“
Der Gwo Ka ist der Blues der Karibikinsel Guadeloupe, der Schlüssel zu allen musikalischen Aktivitäten, von den traditionellen Gesängen hart arbeitender Bauern über die ersten modernen Jazzbands in den 1960iger Jahren bis hin zum – MTV-unterwanderten – Streetsoul der Jugend. Benannt nach den dabei benutzten Handtrommeln (den Ka Drums) ist der Gwo Ka – wie der Blues der amerikanischen Südstaaten – eine in der Zeit der Sklaverei entstandene Volksmusik: Filigran variierte Polyrhythmen ergeben zusammen mit den Färbungen der verschiedenen Percussioninstrumente die eigenwilligen, pulsierenden Linien. Alles ist auf Bewegung und Tanz ausgerichtet, weshalb man gar nicht vermuten würde, wie klagend die Gesänge vom harten Leben auf der Plantage oder dem noch härteren als entlaufener Sklave auf kreolisch erzählt werden.
Murrays Entdeckung der Kultur und Musik der Insel Guadeloupe führten zur Entstehung der Gwo Ka Masters: Eine Formation, die die Fäden der diversen Einflüsse dieser Kultur aufnimmt, mit der Rückbesinnung auf die Zeit der Sklavenströme von Afrika in die Karibik, und sie thematisch im 21. Jahrhundert etabliert. Die Songtexte stammen dabei unter anderem vom afro-amerikanischen Poeten Ishmael Reed. Schlagzeuger Renzel Merrit zelebrierte einst mit Sylvester den Disco-Funk. Mit den Vokalisten, Percussionisten Klod Kiavue und Francois Ladrezeau, beide aus Guadeloupe, zählen zwei Ausnahmekönner des Gwo Ka zu Murrays Masters, deren Kultur immer schon durch die Verschmelzung französisch-karibisch-afrikanischer Einflüsse geprägt ist. Und obwohl der Guadeloupäer im Kern konservativ, zugleich aber selbstbewusst und etwas rebellisch ist, enden Konflikte oft in einer Melange. Insbesondere dann, wenn es um Musik geht: Hier in einem heißen, homogenen, hypnotischen Stil-Mix.
David Murray & The Gwo Ka Masters “The Devil Tried To Kill Me” (Karibik, Afrika) – Besetzung:
David Murray – tenor saxophone, bass clarinet
Jaribu Shahid – electric bass
Renzel Merrit – drums
Klod Kiavue – ka drums, vocals
Francois Ladrezeau – ka drums, vocals
Rasul Siddik – trumpet
Mingues Murray – guitar
Villa Ludwigshöhe – Open Air
Villastraße, 67480 Edenkoben
Fr. 30. Juli 2010 | Beginn: 21.00 h | Vorprogramm “Lisbeth Quartett”: 19.00 h | Einlass: 18.00 h
Eintrittskarten ab 23,50 € bis 29,50 €